Traumatologie

Die Traumatologie umfasst die Diagnose und Therapie von Verletzungen im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich. Diese können aus Weichgewebs- oder Knochenverletzungen sowie aus einer Kombination beider bestehen. Verursacht werden solche Verletzungen häufig durch Gewalteinwirkung bei Arbeits-, Sport-, Verkehrs- oder Haushaltsunfällen. Primäres Ziel ist die funktionelle und ästhetische Wiederherstellung des Patienten. Die Behandlung von Gesichtsverletzungen stellt einen der Grundpfeiler der Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie dar. Der schon historisch aufgrund der Einsätze in zwei Weltkriegen bedingte regelmäßige intensive Umgang mit diesem Teilgebiet prädestiniert unsere Fachdisziplin zu einem Expertenteam. Ziel unserer Wundbehandlung im Gesicht ist immer eine kleinstmögliche Narbenbildung.

Eine adäquate Primärversorgung von kleinen und großen Wunden ist entscheidend für ein optimales ästhetisches Ergebnis. Bei Ausbleiben einer sofortigen adäquaten Versorgung ist eine sekundäre, wesentlich aufwändigere Korrektur notwendig. Besteht der klinische Verdacht auf eine Gesichtsschädelfraktur, stehen uns moderne diagnostische bzw. bildgebende Verfahren zur Bestätigung bzw. zur Klärung zur Verfügung. Insbesondere die modernen Schnittbildverfahren (Computertomografie und Kernspintomografie) mit unterschiedlichen Einsatzbereichen stehen jederzeit zur Verfügung, um eine etwaige Behandlungsindikation zu klären. Je nach Schweregrad und Lokalisation der Frakturen empfiehlt sich ein sofortiges Vorgehen oder in manchen Fällen - beispielsweise im Bereich der knöchernen Augenhöhle - ein verzögertes Handeln, um eine Abschwellung abzuwarten.

Weichgewebsverletzungen der Haut und Mundschleimhaut im Kopf- und Halsbereich werden sorgfältig rekonstruiert, um das bestmögliche funktionelle und ästhetische Ergebnis zu erreichen. Bei sehr ausgedehnten Verletzungen kann eine aufwändige Rekonstruktion von motorischen und sensiblen Gesichtsnerven, Ausführungsgängen der Speicheldrüsen, Augenlidern und Tränengängen erforderlich sein.

Knöcherne Verletzungen der Gesichtsschädelknochen können unterschiedlich und sehr umfangreich sein. Sie können von der Lockerung eines singulären Zahnes bis zu ausgedehnten Mehrfachfrakturen des gesamten Gesichtsschädelknochens reichen. Eine operative Versorgung ist in den meisten Fällen zwingend erforderlich. Ein Verheilen der einzelnen Bruchstücke in Fehlstellung kann zu funktionellen Beschwerden wie gestörte Kaufunktion, Mundöffnungsbehinderung, Sehstörungen sowie zu Einschränkungen des äußeren Erscheinungsbildes führen.

Sind Zähne aus ihrem Knochenfach im Kiefer ausgeschlagen, so können diese replantiert werden und mittels einer Schienung über mehrere Tage bis Wochen - abhängig vom Ausmaß der Verletzung - wieder stabilisiert werden. Kommt es trotzdem zum Zahnverlust, besteht die Möglichkeit, die entstandene Lücke durch ein dentales Implantat zu ersetzen.

Bei der operativen Versorgung von Frakturen wird die übungsstabile Verschraubung der Fragmente in korrekter anatomischer Position unter Einsatz von Miniplatten und Schrauben angestrebt. Nach 4-6 Monaten können diese wieder entfernt werden. Die Miniplatten bestehen meist aus Titan, einem sehr gut verträglichem und biokompatiblem Material. In geeigneten Fällen können Platten aus resorbierbaren Materialien verwendet werden. Um sichtbare Narben zu vermeiden werden die operativen Zugänge in ästhetisch unproblematische Bereiche wie die Mundhöhle, die behaarte Kopfhaut, die Augenbraue, einer Hautfalte oder in die Lidkante gelegt. Postoperativ wird zur Kontrolle der korrekten Reposition der Fraktur eine Röntgenaufnahme durchgeführt. Sollte es dennoch zu einem Ausheilen der Fraktur in Fehlstellung kommen, ist eine plastische Wiederherstellung in 6-9 Monaten anzuraten.

Der Klinik für Mund-, Kiefer-Gesichtschirurgie des EvK Hattingen stehen zur optimalen traumatologischen Versorgung moderne Spezialröntgengeräte zur Verfügung.

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