Dentale Implantologie (Zahnimplantate)

Zahnverlust führt zu Zahnlücken und letztendlich zur Zahnlosigkeit. Dies kann aus den unterschiedlichsten Gründen verursacht worden sein, dabei spielen Karies und Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) eine große Rolle. Die Beseitigung der Ursachen für Karies und Parodontitis wie schlechte Mundhygiene und/oder mangelhafter Zahnersatz ist eine Voraussetzung für den Behandlungserfolg einer mögliche Implantatversorgung.

Im Rahmen einer funktionellen und ästhetischen Versorgung entstandener Zahnlücken oder bei der Behandlung eines zahnlosen Kiefers kommen immer häufiger Implantate zum Einsatz. Sie ermöglichen eine Wiederherstellung des vollen Zahnbogens ohne die weitere Schädigung zusätzlicher Zahnhartsubstanz und tragen außerdem zum Erhalt der Knochenstrukturen des betroffenen Areals bei. Das ermöglicht nicht selten den Erhalt oder die Wiederherstellung von Form und Ästhetik.

Implantate sind jedoch nur dann sinnvoll, wenn auch durch den Patienten bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Seine Mitarbeit ist eines der wichtigsten Erfolgskriterien. Notwendig ist eine perfekte Mundhygiene. Sie verhindert nicht nur das Entstehen von bakteriell bedingten Erkrankungen an den verbliebenen Zähnen, sondern verbessert um ein Vielfaches die Erfolgsprognose einer Implantatversorgung. Desweiteren ist ein entzündungsfreies Gebiss notwendig.

Vor allem bakteriell verursachte Erkrankungen des Zahnhalteapparates sollten im Rahmen einer Vorbehandlung erfolgreich therapiert worden sein (wie beispielsweise Gingivitis- oder Parodontitis). Die oben angesprochene Perfektionierung der Mundhygiene ist dafür in jedem Fall erforderlich.

Statistiken belegen: Rauchen minimiert die Erfolgsprognose einer Implantatversorgung erheblich. Heilungsprozesse verlaufen langsamer und das Immunsystem ist in seiner Funktion eingeschränkt. Ein gesundes Implantatbett (Kieferknochen, in dem das Implantat verankert werden soll) und eine gesunde Schleimhaut verbessern die Prognose.

Nicht immer kommen Implantate bei der Wiederherstellung des Gebisses als Mittel der Wahl in Betracht. Auch ihrer Verwendung sind Grenzen gesetzt, und zwar wenn keine Auflagerung von Knochen bei fehlender Knochensubstanz möglich ist (zum Beispiel wegen schwerer Grunderkrankungen), bei bestehenden Erkrankungen (wie etwa Kieferknochenentzündung oder Zahnfleischentzündung), bei mangelhafter Mundhygiene und bei fehlender Patientenmitarbeit.

Implantate können am treffendsten als „künstliche Zahnwurzeln“ beschrieben werden. In der modernen Zahnmedizin werden sie zunehmend als „Mittel der Wahl“ bei der Behandlung von Zahnverlust oder Zahnlosigkeit propagiert. Eine Behandlung mit zahnärztlichen Implantaten ist immer dann sinnvoll, wenn die prothetische Versorgung ohne Implantat schlecht möglich oder unmöglich ist.

Moderne Operationstechniken und Techniken der Anfertigung von Kronen, Brücken und Prothesen, ermöglichen es heute sehr vielen Patienten mittlels Implantaten zu helfen.

Ein Implantat besteht dabei aus 3 Grundbausteinen:

1. Das „eigentliche“ Implantat (Implantat-Körper):
Implantate sind den natürlichen Zahnwurzeln nachempfunden und werden direkt im Knochen verankert.

2. Der Implantataufbau (Abutment):
Dieser stellt die Verbindung zwischen dem Implantatkörper und dem Zahnersatz, der sogenannten „Suprakonstruktion“ (Kronen oder Brücken), dar.

3. Die Suprakonstruktion:
Suprakonstruktionen auf Implantaten können festsitzend sein (zum Beispiel als Einzelkronen oder Brücken) oder bedingt herausnehmbar gestaltet werden (zum Beispiel als teleskop- oder steggelagerte Totalprothesen).

Entscheidet sich ein Patient für die Möglichkeit einer implantologischen Behandlung, kann ein Termin in unserer Sprechstunde für Implantologie vereinbart werden. In der ersten Sitzung werden zur Ermittlung der anatomischen Voraussetzungen klinische Untersuchungen durchgeführt und eine Röntgenaufnahme (OPG= Orthopantomogramm) angefertigt. In besonderen Fällen kann eine detailgenauere computertomografische Aufnahme (DVT) notwendig sein. Ferner wird auf eventuell bestehende Vorerkrankungen eingegangen.

Vorstellungen und Wünsche des Patienten spielen neben seiner Einstellung zum operativen Eingriff und der unbedingten Notwendigkeit einer gründlichen Mundhygiene eine tragende Rolle. Dem Patienten können auf dieser Grundlage sinnvolle Möglichkeiten einer prothetischen Versorgung vorgestellt werden. Anhand der gewonnenen Informationen wird eine Planung hinsichtlich Implantatanzahl, -durchmesser, -länge und -position gemacht. Ist das Knochenangebot nicht ausreichend, muss eine entsprechender Knochenaufbau (Augmentation) in diese Planung einbezogen werden.

Im zahntechnischen Labor wird nach den ermittelten Vorgaben eine Bohrschablone hergestellt. Sie ermöglicht intraoperativ die Umsetzung der festgelegten Implantatposition.

Das Implantat wird in einer Operation entweder unter örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose in den Knochen eingepflanzt. Vollnarkosen aus Gründen einer Implantation sind im Allgemeinen erst sinnvoll, wenn mehr als vier Implantate eingepflanzt werden. Nach dem Freilegen des Knochens wird in zwei vorsichtigen Schritten ein ca. 3-5 mm dickes und 10-20 mm tiefes Loch in den Knochen gebohrt. Das Loch („Implantatbett“) erhält meist noch ein Gewinde. Dieses wird, wie es aus der technischen Mechanik bekannt ist, mit einem speziellen Gewindeschneider maschinell oder per Hand geschnitten. An der Knochenoberfläche ist das Implantatbett bei vielen Implantatsystemen noch anzusenken, um die Verbindungsstelle für den späteren künstlichen Zahnstumpf aufzunehmen.

Dabei kommt es auf Bruchteile eines Millimeters an. Minimale Abweichungen der Implantate von der Idealposition können ästhetisch problematische Folgen haben. Auch erfahrene Operateure benutzen deshalb meist Operationsschablonen und Messschieber. Der Eingriff wird von den meisten Patienten als sehr viel weniger unangenehm als das Ziehen eines Zahnes empfunden. Er dauert für ein Implantat zwischen 15 und 30 Minuten.

Im Allgemeinen wird die Schleimhaut nach dem Einpflanzen der künstlichen Zahnwurzel („Implantat“) wieder zugenäht. Vom Implantat ist dann für die Dauer der Einheilung nichts zu sehen. Diese Einheilungsdauer bemisst sich nach der Beschaffenheit, insbesondere der Härte des Knochens, in die das Implantat eingesetzt wurde. Im Oberkiefer wartet man im Allgemeinen sechs Monate, im Unterkiefer nur drei Monate. Unter bestimmten Bedingungen kann die Einheilungszeit für das Implantat kürzer sein. Meist ist damit aber ein höheres Risiko verbunden.

Während der Wartezeit heilt die durch das Bohren im Knochen entstandene Knochenwunde. Knochenbildende Zellen („Osteoblasten“) füllen den kleinen Spaltraum zwischen Implantat und Wand des Bohrloches auf und das Implantat wird vom umgebenden Knochen bis in die Poren seiner Oberfläche umschlossen. Nach 90 Tagen hat das Implantat bereits mit ungefähr 70-90 % seiner Oberfläche festen knöchernen Kontakt zum umgebenden Knochen. Diesen Vorgang nennt man „Osseointegration“ (Branemark) oder auch „ankylotische Einheilung“ (Donath). Je nach Gestalt und Material der Implantatoberfläche läuft er mehr oder weniger schnell ab.

Nach Ablauf der Einheilungswartezeit, in der das ehemalige Operationsgebiet nicht durch Prothesen belastet werden darf, legt der Zahnarzt das Implantat in einem zweiten (kleineren) Eingriff frei. Dazu schneidet er in örtlicher Betäubung die Schleimhaut über dem Implantat auf und schraubt einen kleinen Titanpfosten („Sulkusformer“) auf das Implantat. Dieser ragt dann durch die Schleimhaut, so dass man nun zum ersten Mal etwas vom Implantat sieht. Dieser kleine Eingriff in Lokalanästhesie wird als Freilegung der Implantate bezeichnet. Die Schleimhaut legt sich innerhalb der nächsten Woche an den Sulkusformer an und heilt aus. Nach etwa einer Woche wird der Sulkusformer gegen einen Titanaufbau („Abutment“) ausgetauscht, der die Krone oder Brücke aufnimmt, bzw. die Prothese befestigt (Sammelbegriff für alle prothetischen Arbeiten auf Implantaten: „Suprakonstruktion“).

Mit speziellen, extra auf Implantate abgestimmten Hilfsmitteln wird der Zahnarzt nun eine Abformung (auch „Abdruck“) von Implantat und Kiefer herstellen. Der Zahntechniker fertigt mit Hilfe dieser Abformungen Modelle an und stellt die Suprakonstruktion her, die der Zahnarzt beim nächsten Termin auf die Implantate aufschraubt oder aufzementiert. Beide Methoden haben vor und Nachteile. Eine aufzementierte Konstruktion ist häufig besser zu reinigen aber nur sehr schwer vom Implantat abzunehmen, da sie faktisch verklebt ist.

Hingegen ist eine verschraubte Suprakonstruktion leicht wieder abzunehmen aber häufig teurer und nicht so leicht zu reinigen. Trotzdem kann die Entscheidung für eine verschraubte Konstruktion weitsichtiger sein, weil diese im Falle einer Entzündung am Implantathals („Periimplantitis“) gut abgenommen werden kann, und so die Behandlung der Komplikation erleichtert. Außerdem ist sie leichter an veränderte Gebissverhältnisse anzupassen. Das ist wichtig, wenn später weitere Zähne verloren gehen.

Operieren, Einheilen, Eröffnen und Anfertigen der Suprakonstruktion auf einem Implantat sind nur der erste Teil einer erfolgreichen Implantattherapie. Es ist von höchster Wichtigkeit, dass der Patient sein Implantat stets absolut exakt putzt. Bereits relativ geringe Ansammlungen von Plaque können schwerwiegende Auswirkungen auf den Zustand des Implantatbettes haben. Das umgebende Gewebe eines Implantates kann sich dann genauso entzünden („Periimplantitis“), wie das Zahnfleisch („Parodontose“). Halbjährliche Kontrolle des Implantatzustandes durch den Zahnarzt sind deshalb grundsätzlich notwendig.

Wenn Implantate und die auf ihnen befestigten Konstruktionen nach unserem heutigen Wissensstand und nach bestem Wissen und Gewissen geplant, eingesetzt und mit Zahnersatz versorgt wurden, so ist es möglich, dass Sie lange daran viel Freude haben. Immerhin erreichen heute rund 80 % aller Patienten eine Tragedauer ihrer Implantate von 15 Jahren und länger.

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