An den Augusta-Kranken-Anstalten ist eines von insgesamt fünf Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF) der Stadt Bochum stationiert. Die einzelnen Notarztstandorte sind so über das Stadtgebiet verteilt, dass innerhalb kürzester Zeit ein Notarzt zum Patienten transportiert werden kann. Simultan zum NEF wird eine Rettungswagen (RTW) alarmiert, der im Idealfall gleichzeitig mit dem Notarzt an der Einsatzstelle eintrifft (Rendezvous-System).

Das NEF wird durch Rettungsassistenten sowie Notfallsanitätern des Deutschen Roten Kreuzes der Stadt Bochum besetzt. Ärztlich erfolgt die Besetzung des NEF durch die Kliniken für Anästhesiologie und Innerer Medizin.

Die Augusta-Kranken-Anstalten verfügen über etwa 30 Notärztinnen und Notärzte, die pro Jahr etwa 4.500 NEF-Einsätze leisten.

Die organisatorische Leitung wird vom Chefarzt sowie von dem leitenden Notarzt (LNA) der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin wahrgenommen.

Die Notärzte nehmen regelmäßig an den Fortbildungen des Bochumer Notfallseminars teil, welches von den Notarztstandorten in Bochum ausgerichtet wird.

Notwendige Brandsicherheitswachen im Ruhrstadion sowie bei Bochumer Großereignissen, wie dem Ruhrmarathon, werden ebenso von Notärzten unseres Notarztstandortes geleistet.

Kernkompetenzen der Notfallmedizin

Die von uns eingesetzten Notärzte haben alle neben der ausreichenden klinischen Erfahrung die Fachkunde Rettungsdienst. Damit sind sie geschult in den organisatorischen Grundlagen des Rettungsdienstes bis hin zur speziellen Vorgehensweise beim Massenanfall von Verletzten. Die Erkennung und Therapie von lebensbedrohlichen Erkrankungen und Störungen der Vitalfunktionen begründet die Qualifikation zum Notarzt.

Diagnostische Maßnahmen

Ein wesentlicher Faktor bei der Behandlung vitaler Erkrankungen ist der schnelle medizinische Zugriff auf diagnostische Hilfsmittel. Diese sind daher auf den Notarztfahrzeugen untergebracht und können so in kompakter Form zum Patienten gebracht werden. Anders als in der stationären Versorgung muss man sich in der Notfallmedizin oft durch begrenzte diagnostische Mittel einen ersten Überblick über die Verletzungsmuster oder Erkrankung des Patienten verschaffen und diese schnellst möglich so stabilisieren, dass gefahrlos ein Transport in eine geeignete Klinik erfolgen kann.

„Traumacheck“ und „Neurocheck“ sind hier nur kurz erwähnte Algorithmen die von den Notärzten angewendet werden um lebensbedrohliche Situationen von weniger bedrohlichen zu unterscheiden.

Apparative Diagnostik

Diagnostik

EKG-Ableitung von Kammerflimmern

Zur notfallmedizinischen Diagnostik stehen, wie bereits gezeigt, kompakte apparative Möglichkeiten zur Verfügung. Diese Ausrüstung ist in Bochum an allen Notarztstandorten gleich.

Der transportable EKG-Monitor dient primär der kontinuierlichen Darstellung der Herzaktionen. Weiterhin ermöglicht er die Diagnostik einer relevanten Herzrhythmusstörung oder eines Herzinfarktes.

Ebenso enthält das Gerät ein sogenanntes Pulsoximeter zur Messung der Sauerstoffsättigung des Blutes. Die ebenfalls integrierte kontinuierliche Messung von CO2 in der Ausatemluft (Kapnometrie) wird eingesetzt zur Lagekontrolle des Beatmungstubus sowie zur Qualitätskontrolle der Wiederbelebungsmaßnahmen (Reanimation).

EKG-Monitor

Monitoring

Das Ziel der notfallmedizinischen Therapie sind das dauerhafte Wiederherstellen lebenswichtiger Körperfunktionen sowie die Minimierung bleibender Beeinträchtigungen des Notfallpatienten. Der erste Schritt der Behandlung ist daher das Einleiten lebensrettender Sofortmaßnahmen. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand erfolgt unverzüglich eine kardio-pulmonale Wiederbelebung.

Typischerweise werden manifeste oder drohende Schockzustände unterschiedlicher Ursachen durch geeignete Kombinationen von Maßnahmen und Medikamenten behandelt (Schocktherapie).

Zur Sicherstellung der Atmung sind ggf. das Freimachen der Atemwege, die Intubation, die Koniotomie sowie die manuelle und maschinelle Beatmung notwendig.

Bei Verletzungen werden u. a. eine fachgerechte Ruhigstellung und Reposition von Gelenk- und Knochenverletzungen oder die Eindämmung von Blutverlust durch Anlegen eines Druckverbandes bis hin zu gefäßchirurgischen Maßnahmen durchgeführt. Vorhandene oder absehbare intolerable Schmerzzustände bedürfen geeigneter Analgesierungs- und Sedierungsverfahren bis hin zur Narkose.

Zu den therapeutischen Maßnahmen zählen aber auch fachgerechte Rettung und Lagerung von Notfallpatienten. Für die Rettung von Personen aus Fahrzeugen oder anderen vergleichbaren Situationen stehen spezielle Hilfsmittel wie Schaufeltrage oder Rettungskorsett zur Verfügung.

Schaufeltrage

Zur schonenden und zum Transport geeigneten Lagerung von Verletzten findet in der Regel die Vakuummatratze Anwendung.

Geschichte der Notfallmedizin

Wiederbelebung hatte noch im Mittelalter aus religiösen und rechtlichen Vorgaben heraus den Status eines Hexenwerks, da sie als Aufbäumen gegen Gottes Willen galt. Erst mit der Renaissance sollte sich das ändern. Andreas Vesalius gelang 1543 ein wegweisendes Experiment, in dem er die Bedeutung der Atemfunktion bewies: Mittels künstlicher Beatmung überlebte ein tracheotomiertes und thorakotomiertes Schwein. Seine Zeitgenossen jedoch verspotteten ihn aufgrund seiner Entdeckung. Ein erster Meilenstein in der Entstehung der Notfallmedizin war 1740 ein Erlass von Ludwig XV. über „Die Notwendigkeit und die Methoden der Wiederbelebung sowie die Zuständigkeit für die Wiederbelebung und die Ausstattung mit Rettungsgeräten“. Innerhalb kurzer Zeit entstanden daraufhin in fast allen europäischen Staaten Dekrete mit analoger Aussage. Die Royal Humane Society empfahl 1774 die Mund-zu-Mund- und eine Blasebalgbeatmung, da sie „vielen nütze und niemandem schade“. 1788 forderte der englische Arzt Charles Kite († 1811) zusätzlich zur Beatmung eine Elektrostimulation des Herzens.

Der Mainzer Arzt Jacob Fidelis Ackermann erkannte 1804 die grundlegende Bedeutung des Sauerstoffs in der Notfallmedizin und folgerte, dass Sauerstoffmangel, gleich welcher Ursache, zum Tode führt. 1908 wurde in Frankfurt auf dem ersten Internationalen Kongress für das Rettungswesen die Notfallmedizin als eine Sonderwissenschaft bezeichnet, zu der eine entsprechende Ausbildung der Ärzte erforderlich sei. 1947 berichteten Beck et al. erstmals über die erfolgreiche Defibrillation eines 14-jährigen Jungen. In der zweiten Hälfte der 50er Jahre begann in Deutschland vielerorts der konkrete Aufbau eines notarztzentrierten Rettungssystems und 1970 stellte der ADAC in München deutschlandweit den ersten, mit Notarzt und Rettungssanitäter besetzten Rettungshubschrauber in Dienst.

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