Die Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin an den Augusta-Kranken-Anstalten erbringt mit 30 ärztlichen und 27 pflegerischen Mitarbeitern ca. 10500 Narkosen im Jahr. Dabei kommen alle modernen anästhesiologischen Verfahren der Allgemeinanästhesie und der Regionalanästhesie zum Einsatz.

Ziel ist die optimale Betreuung des Patienten im perioperativen Verlauf unter Berücksichtigung eventueller Begleiterkrankungen und unter Einhaltung maximaler Sicherheitsstandards. Die Anästhesieabteilung betreut den Patienten vom Zeitpunkt des Aufklärungsgespräches über die Operation bis zur Entlassung aus dem Aufwachraum oder von der Intensivstation.

Prämedikation

In der Regel wird am Vortrag der geplanten Operation der Anästhesist im Rahmen des Aufklärungsgesprächs (→ Prämedikationsvisite) in der Prämedikationsambulanz, nachdem eine organbezogene Untersuchung durchgeführt wurde, das Narkoseverfahren erläutern, welches für die jeweilige Operation am besten geeignet ist. Im Rahmen des Prämedikationsgespräches werden je nach Begleiterkrankungen und bereits vorhandenen Vorbefunden zusätzliche präoperative Untersuchungen angeordnet und evtl. Erfahrungen mit vorherigen Narkosen oder Arzneimittelunverträglichkeiten berücksichtigt. Gleichzeitig ordnet der Anästhesist die Prämedikationsmedikamente für den Abend vor der Operation und den Morgen des Operationstages an. Grundsätzlich sind zwei Methoden der Anästhesie, nämlich die Vollnarkose, bei der der Patient ohne Bewusstsein ist, und örtliche Betäubungsverfahren, bei denen der Patient in der Regel wach ist, möglich.

Allgemeinanästhesie

Bei der Vollnarkose/Allgemeinanästhesie wird durch die Gabe von Medikamenten in die Blutbahn (intravenös) über eine Kunststoffverweilkanüle

  1. eine Ausschaltung des Bewusstseins erzielt (Narkose),
  2. eine Blockade der Schmerzwahrnehmung erzielt (Analgesie),
  3. eine Blockade der willkürlichen Bewegungsmuskulatur durchgeführt (Relaxation),
  4. eine Abschirmung gegen Streßreize erreicht (vegetative Blockade).

Perioperativ wird die Narkose entweder durch die Weitergabe intravenös verabreichter Narkotika (TIVA) oder durch Kombination mit gasförmigen Narkosemitteln in der Atemluft (→ Kombinationsnarkose/ balancierte Anästhesie) aufrechterhalten. Durch Messung des Narkosegasgehaltes in der Atemluft und der Muskelerschlaffung (Relaxometrie) ist eine präzise Steuerung der Narkosedauer und -tiefe möglich. Zusätzlich kann in besonderen Fällen durch Hirnstrommessungen (pEEG/BIS-Monitoring) die Narkosetiefe kontrolliert werden, so dass Phasen unbemerkter Wachheit (Awareness) vermieden werden.

Die während der Allgemeinanästhesie notwendige künstliche Beatmung wird nach Narkoseeinleitung entweder durch einen in die Luftröhre (Intubations-Narkose) platzierten Beatmungsschlauch oder durch eine vor dem Kehlkopfeingang eingelegte Beatmungsmaske (Larynxmaske) durchgeführt. Das jeweilige Vorgehen richtet sich nach den operativen Notwendigkeiten.

Regionalanästhesie

Bei der örtlichen Betäubung bleibt der Patient in der Regel wach. Hier wird durch Verabreichung örtlicher Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) das Schmerzempfinden und die Bewegungsfähigkeit der jeweils betroffenen Körperregion ausgeschaltet (periphere Regionalanästhesie). So kann z.B. unter sonographischer Kontrolle das Armnervengeflecht in der Achselhöhle (→ Plexusanästhesie) betäubt werden, so dass der betreffende Arm gefühllos, schlaff und schmerzunempfindlich ist, um Operationen am Unterarm oder an der Hand durchzuführen.

Bei den rückenmarksnahen Anästhesien (Spinalanästhesie / Periduralanästhesie) für Operationen unterhalb des Bauchnabels wird das Betäubungsmittel mit einer Hohlnadel durch Punktion zwischen zwei Wirbelkörpern entweder direkt in den Rückenmarksflüssigkeitsraum (Spinalanästhesie) oder über einen Katheter in den Periduralraum (Periduralanästhesie) verabreicht. Mit der Spinalanästhesie kann eine Betäubung von zwei bis drei Stunden erreicht werden, z.B. bei Eingriffen an der Blase, Prostata oder bei Leistenbrüchen, sowie bei der Kaiserschnittoperation.

Bei der Katheterperiduralanästhesie wird die Schmerzausschaltung schon perioperativ im Rahmen einer Kombinationsnarkose verwendet, um dann auch für mehrere Tage postoperativ fortgeführt zu werden, was z.B. bei großen operativen Eingriffen im Bauch- und Brustbereich von Vorteil ist.

Außerdem kommt die Katheterperiduralanästhesie häufig im Kreißsaal zur Schmerzreduktion bei der Spontangeburt zum Einsatz.

Bei allen Regionalanästhesien kann bei Bedarf ein Beruhigungsmittel verabreicht werden, so dass Bewusstsein und Erinnerung an den Eingriff eingeschränkt werden (Analgosedierung).

Überwachung der Narkose

Während aller Narkoseverfahren werden der Blutdruck (RR), der Herzschlag (HF/EKG) und der Sauerstoffgehalt des Blutes (SaO2) überwacht. Bei entsprechender Notwendigkeit kann in der Allgemeinanästhesie auch eine Überwachung der Herzfunktion durch Echokardiografie (TEE) und invasive Messung der Herzleistung (HZV/PICCO) durchgeführt werden.

Postoperative Betreuung

Nach der Operation werden alle Patienten im Anästhesieaufwachraum überwacht. Dort verbleiben sie, bis sie wieder zeitlich und örtlich orientiert sowie kardio-pulmonal stabil sind. Gleichzeitig wird die postoperative Schmerztherapie eingeleitet, die auf der Normalstation weitergeführt wird. Bei großen operativen Eingriffen oder aufgrund vorhandener Begleiterkrankungen der Patienten kann eine Aufnahme bzw. Weiterbetreuung auf der anästhesiologisch geleiteten interdisziplinären Intensivstation erfolgen.

Manche Patienten leiden unter der Disposition postoperativer Übelkeit (PONV). Bei bekannter Anamnese kann durch prophylaktische Maßnahmen diese nahezu vermieden werden.

Ziel der modernen Anästhesie ist es, den Patienten sicher, schmerzfrei und mit möglichst geringen Nebenwirkungen durch den operativen Prozess zu begleiten.

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