Minimalinvasive Chirurgie (Kieler Schule für Endoskopie)

In der Frauenklinik besteht ein sehr hoher Erfahrungsschatz an minimalinvasiven Eingriffen (sog. Schlüsselloch-Operationen), da die Chefärztin Schülerin von Prof. Semm, dem Wegbereiter der minimal-invasiven Chirurgie in der Gynäkologie, war.

Die meisten gutartigen gynäkologischen Erkrankungen können organerhaltend minimal-invasiv durch endoskopische Operationen (operative Hysteroskopie und operative Laparoskopie) behandelt werden, z.B.


Gutartige Veränderungen der Gebärmutterhöhle

Gutartige Veränderungen der Gebärmutterhöhle können durch die operative Flüssigkeitshysteroskopie therapiert werden. Dabei wird über den Gebärmutterhalskanal eine Videooptik mit Arbeitskanal in die flüssigkeitsgefüllte Gebärmutterhöhle eingeführt. Auf diese Weise können wir unter Sicht z.B. Polypen, Myome oder Septen mit Mikroinstrumenten entfernen.

Bei gutartigen therapieresistenten Blutungsstörungen empfehlen wir als organerhaltende Therapie eine Endometriumablation (Abtragen der Gebärmutterschleimhaut). Bis vor wenigen Jahren wurde in solchen Fällen häufig eine Gebärmutterentfernung vorgenommen. Heute kann über die Gebärmutterspiegelung unter videooptischer Sicht die Gebärmutterschleimhaut bis zur angrenzenden Muskelschicht abgetragen oder mittels Hitzeeinwirkung koaguliert werden. In über 80% der Fälle sind die so behandelten Patientinnen anschließend mit der geringen Blutungsstärke zufrieden. Absolute Blutungsfreiheit ist aber selten zu erreichen.

Für gutartige gynäkologische Erkrankungen der Organe im kleinen Becken wenden wir die operative Laparoskopie an. Hierbei wird eine Optik über einen kleinen Schnitt im Bauchnabel in den Bauchraum geführt und die gesamte Bauchhöhle auf etwaige Auffälligkeiten inspiziert. Kleine Zusatzeinstiche in der Bikiniregion sind notwendig, wenn eine Operation mit Mikro-Instrumenten erforderlich ist.

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Eierstockzysten

Eierstockzysten werden z.B. mit Hilfe der Mikro-Instrumente komplett mit gesamtem Zystenbalg ausgeschält und der Eierstock anschließend mit endokopischen Nahttechniken plastisch rekonstruiert. Die Organerhaltung ist so nahezu immer möglich. Komplikationen oder Einschränkungen der Eierstockfunktion sind sehr selten. Gutartige Neubildungen des Eierstockes können teils organerhaltend, aber auch durch Entfernung des erkrankten Eierstockes ohne Bauchschnitt abgeklärt werden. Das betroffene Organ wird laparoskopisch von der Blutversorgung getrennt und in einem Bergebeutel durch einen nur wenige mm großen Schnitt in der Bauchdecke entnommen. Bei unklaren Befunden hilft die intraoperative Schnellschnittdiagnostik. So kann noch während der Operation entschieden werden, ob eine Erweiterung des Eingriffes nötig ist.

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Eileiterschwangerschaft

Auch eine Eileiterschwangerschaft kann durch Bauchspiegelung entweder organerhaltend oder durch Entfernung des betroffenen Eileiters therapiert werden. Bei der Eileiter-erhaltenden Methode müssen die Schwangerschaftshormone im Blut in den kommenden Wochen von Ihrem Frauenarzt bis auf 0 kontrolliert werden, da selten Reste des Schwangerschaftsgewebes in der Tiefe der Eileiterwand verbleiben und erneut wuchern können. In einem solchen Fall ist eine zweite Operation oder eine medikamentöse Therapie notwendig.

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Endometriose

Eine weitere Domäne der minimal-invasiven Chirurgie ist die Endometriose. Dabei befinden sich Gebärmutterschleimhautinseln außerhalb der Gebärmutterhöhle und siedeln sich im Bauchraum ab. Regelschmerzen, unerfüllter Kinderwunsch, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und auch Schmerzen beim Stuhlgang sind häufige Symptome. Endometrioseherde sind häufig an den Eierstöcken, den Eileitern und im Bauchfell zu diagnostizieren, seltener am Harnleiter, Darm oder anderen Organen. Die Herde werden mit der Mikroschere ausgeschnitten, teilweise auch mittels Hitzeeinwirkung zerstört. Bei Befall von Blase oder Darm ziehen wir die endoskopisch versierten Operateure der Chirurgie oder der Urologie hinzu. Da Endometriose hormonsensibel ist, wird im Anschluss an die operative Sanierung eine antihormonelle Therapie empfohlen, um ein Neuauftreten zu verhindern. Eine Beratung hierzu hängt vom individuellen Ausmaß und der Lebenssituation (z.B. aktueller Kinderwunsch) ab und erfolgt in Abstimmung mit Ihrer/m niedergelassenen Frauenärztin/arzt.

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Verwachsungen

Verwachsungen sind oft Folge früherer Operationen oder abgelaufener Entzündungen. Sie können durch Verklebung der Bauchorgane untereinander zu chronischen Bauchschmerzen führen. Durch Lösen der Verwachsungen im Rahmen einer Bauchspiegelung kann Schmerzfreiheit erreicht werden. Ein Wiederauftreten der Verwachsungen ist allerdings möglich.

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Kinderwunsch

Die operative Bauchspiegelung ist auch bei Kinderwunsch fester Bestandteil der Therapie. Mit einer Blaulösung, die über die Gebärmutter und die Eileiter vorsichtig in den Bauchraum gespült wird, kann die Eileiterdurchgängigkeit überprüft werden. Ist ein Eileiter an seinem freien Ende zum Eierstock hin verschlossen, bläht er sich mit der Blaulösung auf. In diesem Fall wird der Eileiter wieder eröffnet und die neue Öffnung mittels Mikronähten fixiert.

Zunehmend wird die operative Laparoskopie auch bei bösartigen Erkrankungen eingesetzt. Als onkologisches Zentrum sind wir stets um die Entwicklung neuer Operationsmethoden bemüht.

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