Brustzentrum Augusta Bochum

Die junge Patientin – familiärer Brustkrebs?

Terminvereinbarung zur Beratung erkrankter Patientinnen
bei V.a. familären Brust- und Eierstockkrebs: 0234 / 517-2740

 

 


Hinweise auf familiär bzw. erblicher Brustkrebs

Ist eine Frau zum Zeitpunkt der Brustkrebserkrankung besonders jung oder gibt es mehrere Erkrankte in der Familie, drängt sich die Frage einer genetischen Disposition auf. Um einer diffusen Angst durch Unwissen entgegenzuwirken, haben wir Hinweise auf Zugehörigkeit zu einer sogenannten Hochrisikofamilie für erblichen Brustkrebs zusammengestellt:

Zu Hochrisikofamilien werden Familien gerechnet (entweder mütterlicher- oder väterlicherseits) mit Erkrankung von mindestens:
- 3 Frauen an Brustkrebs
- 2 Frauen an Brustkrebs, eine davon im Alter unter 51 Jahren
- 1 Frau an Brustkrebs, 1 Frau an Eierstockkrebs
- 2 Frauen an Eierstockkrebs
- 1 Frau an Brust- und Eierstockkrebs
- 1 Frau an Brustkrebs unter 36 Jahren
- 1 Frau an beidseitigem Brustkrebs unter 51 Jahren
- 1 Mann an Brustkrebs und 1 Frau an Brust- oder Eierstockkrebs

Was sagt der Gentest aus?

Eine einfache Blutabnahme ist erforderlich, um daraus eine molekularbiologische Untersuchung auf eine Mutation der Brustkrebsgene BRCA 1, 2 oder 3 vornehmen zu können. Nur bei 5 - 10 % aller Brustkrebsbetroffenen lässt sich eine Mutation nachweisen.

Betroffene Frauen erkranken ca. 20 Jahre früher als Frauen ohne Mutation und haben zeitlebens ein Risiko von 50-80% an Brustkrebs zu erkranken. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch die andere Brust erkrankt, beträgt 60% und das Risiko an Eierstockkrebs zu erkranken liegt bei 10-40%.

Aber: Nur bei einem Viertel der Frauen aus Hochrisikofamilien liegt eine BRCA 1- oder BRCA 2-Mutation vor.

Beratungsangebot bei V.a. familiären Brust- und Eierstockkrebs

Eine Blutabnahme ist schnell gemacht, eine Untersuchung auf Genmutationen dauert ihre Zeit, das Wissen um das Ergebnis aber löst unweigerlich Ängste um die eigene Gesundheit aber auch die der Angehörigen aus. In einem ausführlichen Aufklärungsgespräch durch den Arzt werden die möglichen Konsequenzen bei Bestätigung einer BRCA-Mutation erörtert. Eine Beratung sollte nur durch Ärzte mit entsprechender Qualifikation erfolgen. Im Falle einer Brustkrebserkrankung kann die Beratung vor Ort durch eine diesbezüglich qualifizierte Ärztin durchgeführt werden. Im Falle einer rein prophylaktischen Beratung bei familiärer Risikokonstellation arbeiten wir mit dem Zentrum für familiären Brut- und Eierstockkrebs der Universitätsklinik Köln zusammen.

Es ist wichtig zu wissen, dass man sich jederzeit gegen den Test oder das Wissen um das Testergebnis entscheiden kann.

Die Kosten für die genetische Beratung, der Gentest selber, die intensivierte Vor- und Nachsorge und eine ggfs. erforderliche psychologische Mitbetreuung werden durch die Krankenkassen übernommen, auf Antrag auch prophylaktische Operationen.

Intensivierte Vorsorge bei Brustkrebsgen-Mutation

Frauen mit einer BRCA-Mutation können von einer intensivierten Früherkennung profitieren. Wird Brustkrebs früh erkannt, ist er zu 85% heilbar. Die intensivierte Früherkennung beinhaltet:

  • Halbjährliche Brustabtastung durch den Arzt ab 25
  • Jährliche Mammografien (abhängig von der Brustdrüsendichte) ab 30
  • Halbjährliche Brust-Ultraschalluntersuchungen ab 25
  • Jährliche Kernspinuntersuchungen der Brust bis 50, ab 50 nur bei fraglichen Mammografiebefunden

Risikoreduktion durch prophylaktische Operation

Die vorsorgliche Entfernung beider Brustdrüsen (Brustamputation, Mastektomie) ist zur Zeit die einzige wirklich risikoreduzierende Methode bei gesunden Frauen mit Brustkrebsgen-Mutation. Hierbei wird die Brustdrüse aus dem Hautmantel herausgeschält. Ob Brustwarze und Warzenhof erhalten bleiben sollen, muss risikoadaptiert entschieden werden. Die Brustdrüse wird in gleicher Narkose durch Fremd- (Silikonimplantat) oder Eigengewebe (Bauchfett) ersetzt.

Die vorsorgliche Brustamputation senkt das Brustkrebsrisiko um 95%, ein Restrisiko an Brustkrebs zu erkranken bleibt immer.

Ab 40 empfiehlt man zusätzlich die Entfernung der Eierstöcke, die zu einer Risikoreduktion für Eierstockkrebs um 97% führt. Gleichzeitig wird auch das Brustkrebsrisiko um 50% gemindert. Eine niedrigdosierte Hormonersatztherapie kann die dann auftretenden Wechseljahresbeschwerden auffangen.

Kinderwunsch bei Krebs: Fertiprotect

Nur 5 - 10 % aller Frauen mit Brustkrebs sind von einer Mutation der Brustkrebsgene betroffen. Ist der Test negativ, liegt also keine Brustkrebsgen-Mutation vor, stellt sich im jungen Erkrankungsalter die Frage nach Erhaltung der Fruchtbarkeit trotz Brustkrebstherapie.

Es gibt unterschiedliche Techniken die Fruchtbarkeit zu erhalten oder wiederherzustellen und beinhalten medikamentöse hormonelle Therapie zum Eierstockschutz während der Chemotherapie bis hin zur Entnahme von Ovargewebe, das tiefgefroren und nach abgeschlossener Therapie reimplantiert wird.

Unser Brustzentrum ist Mitglied des Netzwerkes Fertiprotect. Wir beraten Sie gerne!

Unterstützung der Familie

Als junge Frau mit Brustkrebs kann es sein, dass man schon eine eigene Familie hat. Die vielfältigen Funktionen, die eine Mutter und Partnerin zu erfüllen hat, sind trotz Krankheit aufrechtzuerhalten. Das gelingt oft nur schwer. Die Belastungen des Alltags können nicht mehr mühelos bewältigt werden. Spannungen in der Beziehung mit dem Partner und Verhaltensänderungen der Kinder können die Folge sein.

Um dem entgegenzuwirken und die betroffenen Frauen im familiären Umfeld zu unterstützen, bieten wir mit dem Verein Aktiv gegen Brustkrebs e.V. gemeinsam eine unkonventionelle und unbürokratische Familienhilfe an. Sie soll vor allem die Kinder auffangen, sie bei den Hausaufgaben unterstützen oder mit ihnen spielen, wenn die Mama Ruhe braucht. Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie Unterstützung benötigen!

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